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Zu aktuellen Entwicklungen in den sozialen Netzwerken

Dr. Iva Krtalic: “Die Medien sind in einer Umbruchphase.”

Die Medien sind schon immer ein Raum gewesen, im dem öffentliche Debatten ausgetragen wurden. Darauf weist Iva Krtalic in ihrem Videostatement hin. Die deutsch-kroatische Journalistin ist Beauftragte für Integration und interkulturelle Vielfalt beim Westdeutschen Rundfunk (WDR).

Mit Blick auf die sozialen Medien wie z.B. Facebook hält sie fest, dass diese Medien noch vor zehn mit vielen positiven Erwartungen verbunden gewesen wären. Sie hätten die Vielfalt der Wahrnehmung gestärkt, z.B. im Arabischen Frühling oder bei der Wahlkampfkampagne von Barack Obama 2008. Bei dieser auch digital geführten Kampagne habe man richtig Lust auf Demokratie und Mitbestimmung bekommen, so die Journalistin.

Algorithmen belohnen Popularität und Radikalität
Doch zehn Jahre später habe sich die Situation stark verändert: „Wir sehen, dass die Social Media, die sozialen Netzwerke, durchaus nicht neutrale Kanäle sind, sondern dass sie gesteuert werden von Algorithmen, die Popularität belohnen. Je radikaler, je streitbarer die Haltungen sind, desto mehr werden sie geteilt und nach vorne in der Timeline gebracht. Wenn man eine gemäßigte Meinung äußert oder einen gemäßigten und moderaten Beitrag postet, dann hat man damit nicht viel Erfolg. Die Plattformen begünstigen eine Polarisierung der Diskussion und da müssen wir jetzt aufpassen.“

Soziale Netzwerke fördern nicht nur Polarisierung, sondern auch Gemeinschaft
Andrerseits gibt es auch heute positive gemeinschaftliche Bewegungen, die durch die sozialen Netzwerke in wesentlichem Maß gefördert werden. Als Beispiele nennt Krtalic die #metoo-Bewegung, mit denen sich Frauen weltweit solidarisch zeigten und ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen sichtbar machten, oder die #metwo-Bewegung des Sozialaktivisten Ali Can. Seine Social-Media-Kampagne sensibilisierte für Rassismus und machte darauf aufmerksam, dass Menschen mit Migrationshintergrund in ihrer Identität beides vereinen, die Kultur ihres Ursprungslandes und die ihrer neuen Heimat.

Die Medien befinden sich in einer Umbruchphase
Es gibt also auch heute beides im Netz: Hass und gemeinschaftliche Bewegungen. Deshalb geht die Journalistin davon aus, dass sich die Medien in der Transitionsphase befinden: „Wir müssen jetzt ein bisschen aufpassen, wie sich das entwickelt, und wie wir diesen öffentlichen Raum, die neuen Medien und die klassischen Medien, gestalten wollen.“

Iva Krtalic: Engagement für Vielfalt in den Medien
Dabei sieht Krtalic ihren Beitrag als Integrationsbeauftragte darin, in den klassischen Medien Vielfalt abzubilden, Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Standpunkten Gehör zu verschaffen und ihnen Raum im Diskurs zu geben, um den Prozess der gesellschaftlichen Veränderung zu moderieren. „…wir sind schon auf dem guten Weg, aber da muss noch was geschehen.“

Statement anlässlich einer Veranstaltung zu Perspektiven sozialer Bewegungen
Das Statement mit Iva Krtalic wurde am Rande der Veranstaltung: "Verändern kann nur, wer sichtbar ist. Perspektiven sozialer Bewegungen im 21. Jahrhundert" am 15. Januar 2019 in Essen aufgenommen. Zu diesem Abend hatten die Evangelische Akademie im Rheinland, die Katholische Akademie "Die Wolfsburg" und das Forum Kreuzeskirche anlässlich des 90. Geburtstages des amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King eingeladen.

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Zur Person:
Die deutsch-kroatische Journalistin hat als langjährige Redakteurin der Hörfunkwelle COSMO (ehemals Funkhaus Europa) zahlreiche Programmschwerpunkte zu den Themen Migration und Integration, Flüchtlingspolitik, europäische Politik sowie Vielfalt und Medien konzipiert und gestaltet. Seit 2016 ist sie als Beauftragte für Integration und interkulturelle Vielfalt für die Strategie des Senders im Bereich der interkulturellen Öffnung verantwortlich und vertritt diese im Sender und in verschiedenen externen Netzwerken.

Iva Krtalic studierte Anglistik, Hispanistik und Osteuropäische Studien in Zagreb und Berlin und promovierte zum Thema Identität und kultureller Unterschied in Mediendiskursen.

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hbl, ms / 06.11.2019



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