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In Zeiten der Corona-Krise nutzen viele Einrichtungen für die Jugendarbeit die Gamerplattform "Discord", um mit Jugendlichen zu chatten, spielen oder für Workshops.In Zeiten der Corona-Krise nutzen viele Einrichtungen für die Jugendarbeit die Gamerplattform "Discord", um mit Jugendlichen zu chatten, spielen oder für Workshops.

Kinder- und Jugendarbeit in Zeiten von Corona

Mit einem Klick ins Jugendhaus

Während Schulen ihre Türen teilweise wieder öffnen, bleiben Jugendhäuser weiter geschlossen. Damit fehlt Kindern und Jugendlichen eine wichtige Anlaufstelle. Um das zu kompensieren, lassen die Mitarbeitenden ihrer Kreativität freien Lauf und schaffen digitale Angebote – vom virtuellen Café bis zum Empowerment-Kurs.

„Jugendhäuser sind für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Ort der Begegnung, nicht nur zur Bespaßung, sondern auch zum Reden und Nachdenken“, betont Nils Kruse, Referent für Kulturarbeit/Kulturpädagogik im Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland. Nur wenige Stunden zuvor hatte er sich bei einem Online-Stammtisch mit mehr als 50 Mitarbeitenden aus der Jugendarbeit der rheinischen Kirche und anderer Landeskirchen ausgetauscht. „Wir haben besprochen, welche Ideen derzeit umgesetzt werden, was gut funktioniert und wo es Schwierigkeiten gibt.“

Die Rückmeldungen zeigten, dass es den Mitarbeitenden leichtfalle, digitale Formate ins Leben zu rufen. „Hauptsächlich werden die Plattformen Discord für Spiele und Gespräche, Instagram für kleinere Formate und Livestreams, Zoom zum Zusammenkommen und YouTube für Videos genutzt“, ergänzt Hella Blum, Studienleiterin Medien der Evangelischen Akademie im Rheinland, die den Stammtisch im Tandem mit Kruse organisiert.

„Deutlich schwieriger ist es, alle Kinder und Jugendlichen zu erreichen. Das bereitet vielen Sorgen“, berichtet Kruse weiter. Vor allem Geflüchtete, Jüngere sowie sozial Schwache blieben außen vor. „Dort fehlt es oft an Technik wie Smartphones.“ Deshalb werde versucht, den Weg über die Eltern zu gehen, aber auch hybride Formen getestet. „Ein Beispiel von vielen sind Bastelpakete, die vor die Haustüre gelegt werden“, erläutert Kruse, der begeistert ist von der „unglaublichen Kreativität“.

Gamer-Plattform wird zu virtuellem Jugendcafé

Ein Beleg dafür ist die Evangelische Jugend Düsseldorf (ejd), die ein virtuelles Jugendzentrum für alle Jugendfreizeiteinrichtungen in evangelischer Trägerschaft ins Leben gerufen hat. Genutzt wird für das ejd-Café der Online-Dienst Discord. Dabei handelt es sich um eine Plattform zum Chatten und Reden, die in der Regel von Gamern genutzt wird. „Um dabei zu sein, reicht ein Smartphone, Tablet oder PC“, erklärt ejd-Jugendbildungsreferent Udo Heinzen. Betreten werden kann das Café über einen Link oder die Discord-App. Anschließend landen die Besucherinnen und Besucher in einem „Foyer“, das zu unterschiedlichen Räumen führt.

Dort können sich die Jugendlichen entscheiden: privat oder öffentlich chatten sowie per Video telefonieren – auch mit pädagogischen Mitarbeitern –, beispielsweise Tabu oder Black Stories spielen oder an Workshops teilnehmen. Zirka 150 Nutzerinnen und Nutzer sind laut Heinzen bereits registriert, im Schnitt 30 davon online. Einige Inhalte werden auch auf YouTube, Instagram oder Facebook geteilt. Eine Übersicht der Angebote, auch für Jüngere, gibt es auf www.ejdathome.de. Heinzen ist froh, dass dadurch zumindest virtuell Gemeinschaft möglich ist. „Unsere Message an die Jugendlichen ist: Wir sind da, ihr seid nicht alleine.“

„Den Kindern und Jugendlichen fällt die Decke auf den Kopf“

Das ist auch den Mitarbeitenden des Jugendhauses der Evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde Düsseldorf wichtig. „Als klar war, dass Jugendliche nicht mehr zu uns kommen können, haben wir sofort Ideen entwickelt“, berichtet Einrichtungsleiterin Alexandra Joas. Entstanden ist der Online-Treff „PH digital“, in dem montags bis freitags von 12 bis 16 Uhr Mitarbeitende via Zoom für die Jugendlichen da sind. Der Zugang erfolgt über einen Link per Tablet, PC oder Smartphone. Das Passwort lautet „171396“.

Das gebotene Programm ist vielfältig. Es wird gespielt – etwa Montagsmaler oder Werwolf –, zudem gibt es unter anderem einen Yoga- sowie Gitarren-Kurs. „Ich habe ein traumhaft kreatives Team“, ist Joas glücklich, die auch auf die Hausaufgabenhilfe von montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr, hinweist. „Je länger die Schulen nicht komplett offen haben, desto mehr fällt den Kindern die Decke auf den Kopf. Das versuchen wir auszugleichen“, sagt Joas mit Blick auf die Angebote, die sich vor allem an Viert- bis Zehntklässler richteten. Die Einrichtungsleiterin ist froh über die digitalen Alternativen, sieht in ihnen aber keine Dauerlösung. „Das kann den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, den wir sonst täglich zu rund 100 Kindern und Jugendlichen haben.“

Empowerment-Training zum Schutz vor häuslicher Gewalt

Derselben Meinung ist Michaela Leyendecker, Leiterin des Jugendreferats des Kirchenkreises Wesel. „Digitale Formate haben ihre Grenzen. Es ist schlimm, die Jugendlichen nicht sehen zu können.“ Bis das wieder möglich ist, wird auch in Wesel an vielen Stellschrauben gedreht. Die 14 örtlichen Jugendhäuser haben sich dazu kurzerhand im Online-Netzwerk „Jugendarbeit des KK Wesel“ vereint. Es wird gechattet oder gespielt, es werden Videotagebücher, Kreativ- und Musikworkshops angeboten, Andachten und Rezepte geteilt. Das Ziel sei, alle Altersgruppen und Interessen zu bedienen. „Jungs zocken öfters, Mädchen suchen eher Kreatives“, weiß sie. Gebündelt wird alles auf Instagram, ein Teil davon auf Facebook gepostet. Wer keinen Zugang dazu hat, kann sich unter 0281 31929107 telefonisch an Leyendecker wenden. Vor den Jugendhäusern stehen zudem „ganz analog“ Briefkästen für Wünsche und Gedanken bereit.

Das Feedback ist laut Leyendecker sehr positiv. „Richtig gut lief unser Webinar für Mädchen mit einer Empowerment-Trainerin.“ Durch das Leben auf engem Raum stelle sich für viele die Frage nach den eigenen Grenzen. „Es wurde gezeigt, wie diese gesetzt werden können, wie man sich schützen und deeskalieren kann“, blickt sie auf die derzeit entstehenden Konflikte in Familien, auch in Form von häuslicher Gewalt.

Online-Materialsammlung, Newsletter und erneuter Stammtisch

Für Sandra Olesch, Öffentlichkeitsreferentin des Amts für Jugendarbeit der rheinischen Kirche, stehen diese Angebote beispielhalft für „all das positive und kreative, was gerade im Bereich der Jugendarbeit geschieht“. Um die vielen Initiativen zu bündeln und zu vernetzen, bietet das Amt deshalb eine Online-Materialsammlung, die ständig aktualisiert wird. Ideen können per Mail an weitermachen@ejir.de geschickt werden. Wissenswertes liefert zudem der Newsletter und hier speziell die Sonderausgabe April.

Laut Kulturarbeitsreferent Kruse hat der Stammtisch gezeigt, dass der intensive Austausch über Gemeindegrenzen hinweg den Mitarbeitenden Mut mache. „Alle freuen sich über das Miteinander und den Ideenreichtum“, schildert Kruse, der auch die vielen Ehrenamtlichen nicht in Vergessenheit geraten lassen möchte, denen in dieser Krise ein wichtiger Ort der Entfaltung fehle.

Seine Kollegin Blum von der Evangelischen Akademie sieht in der durch das Corona-Virus vorangetriebenen Digitalisierung aber auch Chancen. Bereits jetzt zeige sich etwa, dass durch die aktuellen Angebote vermehrt kirchenferne Jugendliche erreicht werden könnten. Ebenso wie Kruse ist Blum deshalb gespannt, was die kommenden Wochen mit sich bringen. Eines ist aber für alle Beteiligten klar: Sie werden weiter in engem Austausch bleiben, beispielsweise beim nächsten Online-Stammtisch am 19. Mai (Anmeldung: anna.veerahoo@akademie.ekir.de). Stets mit dem Ziel vor Augen, neue Ideen zu entwickeln, um die Jugendlichen in dieser Krise zu unterstützen.

 

 

ekir.de / Andreas Attinger, Foto: ejd / Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de / 06.05.2020


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